GESCHICHTEN
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Nairobi

Als ich zum ersten Mal nach Nairobi kam war ich so aufgeregt all diese Menschen, gut gekleidet, zu erleben. "Pole Pole" war hier kein Thema, alle waren so beschäftigt wie Ameisen, die ein Stück Zucker bearbeiten. Nairobi, die Hauptstadt Kenias, auf der einen Seite modern, mit neuen Bürogebäuden, internationalen Organisationen wie der Vereinten Nationen und mit Niederlassungen großer Unternehmen. Auf der anderen Seiten, wenn man hinter die glitzernden Schaufensterauslagen mit ihren amerikanischen und europäischen Produkte, die in Fernsehspots beworben werden, sieht erkennt man auch eine schlechte Seite. Die Seitenstrassen sind schmutzig und übersäht mit Schlaglöchern. Die Gebäude in diesen dunkleren Ecken scheinen vor sich herzurotten, weil sich niemand um ihre Betonkörper kümmert. Zwischen geschäftigen Menschenmassen aus Bänkern, Managern, Politikern und anderen glücklichen Einwohnern mit besserem Einkommen findet man Frauen und Männer, die aus ländlichen Gebieten kommen um ein besseres Leben in der Stadt zu finden, die im Staub mit ihren Kindern sitzen und für ihr tägliches Brot betteln müssen.


Verbrechen

Die Menschen in Nairobi können ein Lied von den Dieben und Betrügern singen, die andere Leute in Probleme bringen. Ich habe meine Erfahrungen gemacht und jetzt, sechs Jahre nach dem Ereignis, beschreibt sogar der CIA in seinen Reisewarnungen die Masche in leicht veränderter Version.
Eines Tage ging ein 'Mzungu', was der der Name für eine weiße Person ist aber richtig übersetzt 'Europaer' heisst, der ich war, ging durch die Straßen von Nairobi, nichts schlechtes denkend. Dann war er da, ein Mann in einem sauberen, weißen Hemd:
"Hallo mein Freund, woher kommst Du? Bist du Brite?".
Ich stoppte, tauschte ein paar Grüsse aus und stellte mich darauf ein eine neue Freunschaft in dieser Stadt zu beginnen, die ebenso gastfreundlich schien wie der Rest des Landes
"Nein, ich komme aus Deutschland und schaue mir nur die Stadt an."
"Oh, ich verstehe" sagte der neue Freund, "ich, ich bin Lehrer, meine Schule ist nicht weit von hier entfernt, nur um die Ecke hast Du Lust sie zu besuchen?"
"Natürlich" sagte ich erfreut, dass neue Dinge zu entdecken so einfach war.
Zusammen gingen wir einige Meter die Strasse runter und am nächsten Restaurent hielt der Mann: "Ach, lass' uns erst eine Tasse Kaffee trinken" sagte er und ich stimmte zu.
Wir gingen in das Restaurant und saßen an einen Tisch in der hintersten Ecke.
"Weißt Du, mein Freund, die wahre Geschichte ist, dass ich nicht wirklich ein Lehrer bin. Die Wahrheit ist, dass ich aus dem Suden bin und vor der Brutalität dort weggelaufen bin. Ich denke Du hast schon etwas über die Situation dort gehört, nicht wahr?"
Ich nickte, wer hatte noch nichts über den langanhaltenden Bürgerkrieg gehört.
"Mein Freund, ich habe jetzt wirklich Schwierigkeiten. Ich bin ein illegaler Einwanderer hier in Kenia und ich möchte unbedingt nach Hause in den Suden. Ich habe schon einen Plan, über Tansania, Ruanda und Burundi werde ich einen Weg zurück in mein Dorf im Sudan finden, die Wahrheit ist, dass ich dort Lehrer war. Aber wie kann ich das schaffen? Ich brauche 50 $. Könntest Du mir vielleicht helfen, bitte?"
"Was soll's" dachte ich, "wie könnte ich diesen armen Kerl mit seinem Problem alleine lassen und ihm nicht helfen"
ich bot ihm 20 $ an, da ich nicht mehr dabei hatte. Er war sehr dankbar, für den wichtigsten Gefallen seines Lebens, den ich ihm getan hatte.

Plötzlich kamen zwei weitere Männer an unseren Tisch:
"Guten Tag, wir sind Beamte der Kriminalpolizei CID."
Sie zeigen ihre Dienstausweise.
"Wir müssen Ihren Freund hier verhaften, er ist illegal hier und wir suchen in bereits seit mehreren Tagen. Weil Sie in dieses Verbrechen verwickelt zu sein scheinen zeigen Sie uns bitte Ihren Pass und alles was in Ihren Taschen und Ihrer Brieftasche ist."
Die Beamten überprüften meinen Pass und erklärten, dass sie meine Geldscheine überprüfen müssen um festzustellen ob die Seriennummern als gestohlen gemeldet waren. Der Lehrer wurde bereits bei Seite geschafft, ins Gefängnis wie sie sagten. Um sicherzustellen, dass ich nicht in dieses Verbrechen verwickelt war wollten sie, dass ich zu meinem Hotel gehe, mir eine Bestätigung geben lasse, dass ich Tourist sei und nach 45 Minuten zu ihnen zurück komme. Voller Angst ging ich los, in dieser fremden Stadt, konfrontiert mit einem Verbrechen, das ich wohl begangen hatte. Nach wenigen Minuten begann mein Gehirn wieder zu arbeiten, es fiel mir wie Schuppen von den Augen:
"Was für dummes Zeug ist das. Kein Polizeibeamter dieser Welt sollte dein Geld nehmen, wenn du ein Verbrechen begehst und dich dann alleine irgendwo hin schicken und dir erzählen nach einer bestimmten Zeit wieder zurückzukehren."
Ich hielt einen gut gekleideten Mann auf der Strasse an und bat ihn um Hilfe, ich erzählte ihm die Geschichte kurz und er stimmte zu, dass das alles keinen Sinn machte. Wir gingen zurück zum Restaurant, er befragte das Personal aber keiner wollte etwas bemerkt oder gesehen haben. Die 'Beamten' und der 'Lehrer' waren längst verschwunden.
Gedemütigt musste ich erkennen: Ich war über's Ohr gehauen worden.

Trotz diesem und anderen schlechten Erfahrungen, die ich in Nairobi machen musste, die normalen Einwohner sind nicht schlecht sondern haben es Leid mit den Kriminellen in Verbindung gebracht zu werden.
Wie in vielen großen Städten muss man aufpassen was man tut, mit wem man es tut und wo man es tut. Nairobi hat gute Seiten und eben auch schlechte.

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